Gypsys, Tramps and Thieves: Dubai 2011
Gypsies, tramps and thieves,
I wasn’t born in the wagon of a traveling show and my mama never danced for the money they’ve thrown...
Warum dann dieses Gypsy Gen in mir aktiver ist als jedes andere? Ich weiß es nicht. Alles was ich weiß ist nur, dass die gelebte Veränderung, die “realisierte Reise” sich seit 3 Jahren am authentischsten anfühlt, der philosophischen Idee der ewigen Veränderung, dem Gesetz von Anicca, auf der Handlungsebene am nächsten kommt und somit am meisten Harmonie in meinem System schafft; weil Idee, Überzeugung und Handlung deckungsgleich sind.
Ist das Gesetz von Anicca in einem “normalen” Leben - was auch immer das bedeuten mag - weniger präsent? Mitnichten. Es manifestiert sich genauso, es ist genauso präsent, will genauso erfahren werden. Nur gebärt es sich in einem “geregelten” Arbeits- und Familienleben womöglich anders als wenn man sein “zu Hause” ständig in einen Rucksack steckt und es wonaders hin transportiert... neue Menschen, neue Kulturen, neue Eindrücke... die Themen bleiben die gleichen, nur sind sie vielleicht anders kostümiert.
“If you look at your life right now, where do you see yourself? In transition or arrived?” Die Frage klingt nicht lange nach in unserem Mattenkreis, in der künstlichen “Frischluftanlage” Safa Park, bevor die erste Dubaii (das hab ich gerade bei Google gelernt... ich hab die Bewohner Dubais immer Dubaianer genannt und finde auch noch immer dass das besser passt) mit einem Lächeln antwortet: “That’s easy, I’m ALWAYS in transit.” Natürlich ein Expat, wie 80% der Dubaiis, wie 99% unserer Workshopteilnehmer und Menschen mit denen wir hier zu tun haben.
Wie könnte es auch anders sein? Tamara ist Amerikanerin. Sie arbeitet bei Emirates Airlines und ist offensichtlicher Weise immer “in transit”... - ha! Da sind wir wieder: Das deutsche Wort für “transit” lautet eigentlich “Durchgang/Durchfuhr” und kommt zumindest nach meinem Verständnis nicht ganz dem Nahe worum es in der Frage geht. Anyway, Mitarbeiter bei einer Fluggesellschaft sind non-stop der Veränderung ausgesetzt und wissen um die Variabilität und Inkonsistenz unseres Raum-/Zeitkonzepts sehr gut bescheid, wenngleich es sich uns doch so oft so unerschütterlich präsentiert.
“The foot turns out to he side, while I roll onto it... before the foot crosses and finds the other hip, I keep following, keep turning... Keep the powerline, keep breathing... We call it: Bird, 180 to straddle bat...”
An diesem Morgen geht es um Übergänge, es geht um die Phasen zwischen den statischen Ruhepunkten, dem Tanz der Bewegung, der Neudefinition von Fixpunkt und Übergang, das Auflösen der Grenzen dazwischen und die Wiederherstellung danach... Es geht um viele Fragen;
Wie viel Stabilität brauche ich? Wie lange müssen die Pausen sein? Wie viel Perspektivenwechsel vertrage ich? Wie viel Erschütterung meines Orientierungssystems?
Dubai ist, wie jede andere Stadt eigentlich auch, äußerst facettenreich und zeichnet doch eine ganz bestimmte Kontur eines ganz bestimmten Gesichts... ist es eine Grimasse? Fratze? Fassade? Oder viel mehr ein Abbild der Veränderbarkeit einer sich ewig wandelnden Dünenlandschaft. Pascal und ich reflektieren über die Qualitäten Dubais und und sind uns einig: Wenn hier eine Qualität präsent ist, dann ist es die Veränderlichkeit und Unbeständigkeit des Seins und die Frage ob diese Qualitäten nicht eigentlich überall genau gleich präsent sind, wir nur Strukturen schaffen um sie zu unterdrücken, übergehen, auszublenden?! Dubai ist sich ewig manifestierende Veränderung: Menschen reisen... oft mehrmals die Woche. Sie reisen in Länder bei deren Namen wir oft nur zusammen zucken und dort eigentlich nur Bomben und Krieg erwarten, wenn überhaupt Zivilisation. Sie ziehen um, manchmal mehrmals im Jahr, sie wechseln Autos, Jobs, Identitäten, Freunde, Stil, Überzeugungen.
Sind wir nicht alle so und leben es nur zu einem sehr geringen Maß? Wie viel Veränderung halten wir aus, bevor wir den Boden unter den Füßen verlieren? Ist es hilfreich so viele buchstäbliche “Unbekannte” um sich zu haben, oder ist es nicht besser im altbekannten Dunstkreis zu verweilen, wo wir die Dinge, Muster und Abläufe kennen?
Alles rhetorische Fragen. Ich weiß die Antwort sicher nicht. Ich weiß dass ich den Ritt genieße und mit jeder meiner Entscheidungen zufrieden bin. Ich weiß dass mein Nomadengen gerade auf Hochtouren exprimiert und sich auch durch die “anderen Umstände” nicht bremsen lässt. Mein Lebenspfad liegt klar und offen vor mir und ich freue mich auf jeden Schritt und so sehr ich als deutsche Jungfrau Ordnung und System liebe; Ich freue mich auf jeden neuen Schritt mit neuen Herausforderungen, so viele wie angemessen sind und das liegt und liegt nicht in meinem ermessen.
Alles in diesem Moment ist Veränderung; Wie Pascal so schön gesagt hat: Genieße doch; mit jedem Tag ist dein Körper nicht mehr wie er war. mit jedem Tag wird er neu und wird verändert und baut um und macht Platz... Spannend dass wir immer einen “besonderen Umstand” brauchen um uns dessen bewusst zu werden und das ist doch zu allermeist: Krankheit, Geburt, Tod... somit eigentlich alles durchweg positive Dinge!!! Keine Zelle ist die gleiche nach jedem einzelnen Atemzug, egal wie jung, alt, gescheit oder dumm wir sind. Wir alle unterliegen den gleichen Gesetzen nur sind manche Opfer und andere Täter :).
Ich freue mich vor allem über eines: Durch die Entscheidung zu Reisen unsere eigenen Erfahrungen machen zu dürfen. Keine vorgezeichneten (Gedanken-)Wege zu gehen, sondern neue Bilder zu malen, leichte, farbige, offene, weite. Den manchmal schwerwiegenden Suggestionen zu umgehen: “Warte mal ab, wenn es erst mal da ist...”, richtig, dann ist das alles “nicht mehr so einfach, frei, leicht”...
Ich schmunzele, denn wer weiß? Ich weiß es nicht und ich will es auch nicht wissen, bis es soweit ist, das ist früh genug und ich bin fester Determination auch dann, wie schon Zeit meines Lebens, meine GANZ EIGENE Erfahrung zu machen. Die mag hier und da Überschneidungspunkte mit anderen haben, aber am Ende ist sie so einzigartig wie das Individuum dass sie kreiert und zelebriert.
0:18, die construction site des Cayan Towers, des "Twisted Buildings" neben dem Marriott läuft noch auf Hochtouren, das allgegenwärtige Baugeräusch ist nur ein weiteres Symbol der Veränderung, die niemals schlafen geht, niemals still steht. In Deutschland wäre das Ruhestörung in Dubai ist nächtlicher Stillstand ein Zeichen wirtschaftlicher Stagnation. Wie gut dass es Nationaltitäten gibt die hier die Arbeit für die Araber verrichten. Ständen die Jungs mit der gleichen Motivation auf dem Bau, wie sie ihren Hoheitsdienst an der Passkontrolle bei der Einreise vollziehen sähe Dubai sicherlich anders aus. Und die Herrschafts- und Knechtschaftsbeziehungen in der Welt gehen weiter, fleißig wird der Salat aus Südafrika eingeflogen und die Birnen aus Holland, der Brokkoli aus Neuseeland und die Äpfel aus Deutschland, freudig trinken wir frische Smoothies aus Plastik- und Kaffees aus To-Go-Bechern während eine Plastiktüte im warmen Wüstenwind aufgewirbelt zwischen den Hochhäusern tanzt und... Flashback: bei der EOFT 2011 zeigten sie einen Flim über die neue Spezies der Plastiktüten die sich aus allen Ecken der Erde ihren Weg bahnen ins Plastikparadies im Pazifik... schwarz malen? Sicherlich nicht! Irgendwo in all der Widersprüchlichkeit ist so viel Sinn... Ich kann es fühlen.
Der Bauch zeigt sich langsam, die Welt ist eine Gute! Wir haben so unendlich viele Chance und noch immer blühen die Blumen und die Leben in einem unfassbaren Reichtum. Mögen wir ihn teilen, mögen wir aufwachen, mögen wir hier und da...
“be the change in the world you want to see”...
May we be gypsies, may we tramp around the world, may we stop being thieves and feed back into the circle of giving and receiving... may we be grateful for the gifts of the world!









