Bath in these waters and wash it away... Dubai-Doha-Sri Lanka 2011
Sanft tropft der Regen von den tropischen Blättern auf den rotbraunen, weichen, erdigen Sand. Hier und dort bilden sich leichte Rinnsale in und zwischen schwarzen Steinansammlungen, welche weiche Mäander formen, in denen sich mein Blick verliert. Das beständige Prasseln des tropischen Regens, die wallende Dichte der Luftfeuchtigkeit zwischen den Regentropfen, die feuchte Wärme dringt in meine Lungen, schlägt sich auf meiner Haut nieder... langsam waschen mir die dieses tropischen Tränen der Natur, die Schärfe der Wüste der vergangenen 5 Wochen aus dem System. Die schneidende Hitze, genauso wie die schneidende, trockene Kühle der Klimaanlagen, der Stress des ständigen Wechsels zwischen den zwei Extremen, von 32° brennender Sonne in 18° blasender, trockener Kühle und zurück. Das endlose Gebrumme der Baustellenfahrzeuge, die ständig von der Vibration der Wüstensandverdichtung zitternde Erde, ist dem Rauschen des Meeres, dem Zirpen der Grillen, den verschlafen ruhenden Steinen gewichen. Anstatt der Kunstflieger und den sky divern über der Palm Jumeira, schwirren hier die Schmetterlinge und die Libellen über den Köpfen. Das nächtliche Leuchten des arabisch-olympischen Feuers in Doha, haben die singhalesischen Glühwürmchen abgelöst...
Und es kehrt Frieden ein in mir, tiefer Frieden. Ich habe mal wieder nicht wahrgenommen wie viel Unruhe und wie viel Chaos sich in meinem System angesammelt hat, wir adaptieren dich nur allzu schnell...
01:30 in Doha klingelt der Wecker und wir packen den Rest unserer Sachen zusammen, bevor wir die schöne, schnieke, Wohnung im Domizil der Musiker des Staatsorchester von Doha verlassen. Noch am Vortag, nach deutscher Manier, hat uns die liebe Patrizia ein Taxi bestellt, sodass wir ohne Umschweife den Flughafen erreichen. Deutsche Manier ist nicht Quatari Manier, oder besser: manchmal laufen die Dinge einfach anders als geplant. Nach 20 Minuten, noch immer kein Taxi weit und breit, wird die müde Schwangere langsam ungeduldig und wir laufen Richtung Hauptstraße in Hoffnung auf Hilfe. Im Gegensatz zu anderen Großstädten geht Doha wirklich schlafen und zwar so richtig, eben so, dass auch keine Taxis mehr unterwegs sind. Was es aber immer und überall auf der Welt gibt, sind einerseits Verrückte, womöglich Halbkriminelle (die mir oft sehr sympathisch sind) und andererseits das Leben sehr erleichternde Fügungen. Kaum in die Hauptstraße eingebogen steht da - man bemerke, 2:20Uhr am Morgen und wir sind NICHT in Dubai, wo Bauarbeiten um diese Zeit Gang und Gebe sind - ein Lastwagen der gerade von einem Bagger gefüllt wird.
“Bauarbeiter sind immer hilfsbereit”, also fragen wir ihn um Hinweis wo wir am besten ein Taxi abgreifen können, oder ob er vielleicht eine Nummer hat und siehe da: “Just wait for 5 min and I’ll drop you somewhere where you can get a Taxi”. Nun ja, vielleicht nicht in so gutem Englisch, aber mein geübtes Dialekt Decodiersystem weiß was er gemeint hat!
Ich bin gerade im Begriff in den Truck zu klettern als hinter uns ein weiterer Mann auftaucht, mit einer neuen, einer besseren Idee.
“Just wait 5 min until we’re done and I’ll drop you at the airport”.
Wow, na wenn das mal kein Angebot ist. In meinem deutschen Misstrauen feststeckend steige ich ins Auto ein und “weiß” ja jetzt schon, dass aus den 5 Min mindestens 15-20 werden und unsere Ankunft am Flughafen sehr knapp in Richtung Abflug rückt... Was die Pakistanis überhaupt nicht aus der Ruhe bringt... gemütlich wird zu Ende gebaggert und alles noch einmal begutachtet, bevor unsere zwei pakistanisch-arabisch gekleideten Flughafenengel einsteigen.
2 Motorabstürze und 13 Min später kommen wir am völlig leeren Flughafen an, in dem alle Tiefenentspannt sind und wir sogar noch warten müssen... Für das Angebot der 50 Rial, die wir eigentlich für’s Taxi eingesteckt hatten erntet Pascal nur ungläubige Blicke und ein sehr Bestimmtes Abwinken.
Wie schon so oft: All worries for nothing...
Wieder die gleiche Lektion gelernt: Relax and go with the flow. Everything is falling into place just the way it’s supposed to be!
2:45 startet unsere Emirates Maschine nach Dubai und in nur einer Stunde Flug sind wir, wo wir begonnen haben :). Zwei Stunden Aufenthalt und einen letzten “decaf venti soy latté” bei Starbucks in Dubai- bevor diese Sucht für einige Zeit ein Ende nehmen soll - später sind wir dann auf dem Weg nach Sri Lanka, in eine Woche Ruhe, Achtsamkeit und Selbstpraxis.
Klunk, klunk, brrrrrr, scchhhhschshchh. Hart und beherzt setzen die Reifen der Emirates Maschine auf der Landebahn Colombos auf bevor sie in den Asphalt greifen und uns harsch bremsen. Langsam rollen wir auf unseren Platz, wo wir direkt beim Ausstieg aus dem Flugzeug von der feuchtwarmen Wand der Tropen außerhalb begrüßt werden. Pascal und ich schauen uns an und freuen uns: “Keine AC, das ist mir sehr sympathisch!” Den üblichen Einreiseprozess hinter uns schlendern wir aus der Gepäckhalle in unseren Traum: Ein Fahrer der ein Schild hält mit unseren Namen... schwärm..., der den Minivan holt und mit unserem Gepäck belädt. Ein bequemer Minivan nur für uns zwei, dessen Sitze zum Schlafen einladen... als wir einsteigen flattert friedlich ein Schmetterling an uns vorbei, als wolle er den Ton für unsere bevor liegende Woche setzen.
Nach unserem ersten singhalesischen Reis und Curry am Ausgang Colombos falle ich in einen tiefen Schlaf der die ganze Fahrt zum südlichen Zipfel, zu unserem Unterschlupf Rocky Point oder auch Ashtangalanka anhält.
Schlaf, Schlaf, Schlaf... “zu Hause” ist, wo gute Freunde sind... Lorenzos lächelndes Gesicht, eine tiefe Umarmung, Jacob lässt uns die Reste des Abendessens zubereiten.
Angekommen, wir sind Angekommen.
Die nächsten Tage sind einfach, folgen einem einfachen, heilsamen Rhythmus, no Extra, NO EXTRA; Yoga, Frühstück, Strand, Schwimmen, Schlaf, Lecture/Workshop, Meditation, Abendessen, Schlaf... Ameisen, Fliegen, Moskitos :), es lebt, wir leben, wir sind zurück in der Natur und die hat so viel Charme.
Die freie Zeit fördert Reflexionskraft und lassen langsam gemachte Erfahrungen aufsteigen und vorbei zeihen: Der Palast in Abu Dhabi, die Acro Yoga Stunde mit den Enkelkindern von Sheikh Zayed. Verrückt? Alles ganz normal... ob wir ein eigenes Kino in unserem übergroßen Haus in Abu Dhabi am Strand haben, ein ganzes Fitness Studio und einen Wasser Vergnügungspark im Garten, oder nach deutscher Manier ein klassisches Schwimmbecken aus dem Aldi. Wir alle haben die gleichen Wünsche, die gleichen Ängste, die gleichen Knoten hinter dem Brustbein. We’re all the same...
Was ich lerne? Ich liebe meine Arbeit, weil ich, within the framework of my body, erfahren darf, dass es so ist. Keine intellektuellen Spiele, keine Suggestionen, no assumptions. Ich fühle es, mit jeder Bodywork Session neu.
Ich bin sehr dankbar um dieses Geschenk.
Der Reflexionsstrom fließt und spült die fast schon zur Tradition gewordene Photsession mit Anja an die Oberfläche. Auch diese Mal sind Bilder entstanden, diese Mal war ich irgendwie nicht ich, sehr verlegen, vielleicht auch lustlos? Nein, eher... schüchtern, zurückhaltend... Das Selbstbewertungssystem läuft auf Hochtouren und testet mich täglich auf höchstem Niveau. Ein inneres Mantra, dass zwar da ist, aber nicht immer ganz in die Tiefe sackt, wiederholt sich: “Accepting the reality as it is, noticing the changes in the body, accepting, embracing, loving them... especially since there is a new soul creating its nest....”
Die massiven Veränderungen in und an mir... wir gewöhnen uns langsam aneinander :).
Und wenngleich die Welt es ausruft, “die Bilder sind wunderschön”, da ist immer diese Stimme aus dem Off, der Teil in mir mit den Selbstzweifeln, das sich beschämt in die Ecke zurück ziehen möchte und ungesehen die Zeit bis zur Geburt verbringen möchte.
Das große Ego, so dumm, so einfältig und doch so machtvoll. Wie gut dass es Instrumente gibt es hier und da in die Schranken zu weisen, wie gut dass es auch öfter mal gelingt :) Und eigentlich: Die Bilder sind ja schon richtig schön :) und eben mehr: Die Worte die sie auf ihrer Seite schreibt erheitern mein Herz. Dass die Begegnungen mit Ania immer special waren war mir bewusst, WIE special sie waren, wenn man sie in diese Ordnung bringt... hui, da freut sich wieder die Netzwerk-Co-Creations-das-Universums-verknüpft-alles-in-magsichen-Netzen-Zauber-der-Verbindungs-Tante.
Und dennoch... mein Ego lässt mir keine Ruhe... Eine Aufgabe... wie immer, nehme ich sie an und bin mir sehr sicher: Vipassana am Ende des Monats spült den Unmut, das Unwohlsein weg, oder besser: Ich sitze und beobachte wie es sich verändert... denn nichts ist beständig, das wissen wir doch eigentlich schon zu Genüge?! Bis das kein Ausspruch des Intellekts mehr ist, sondern gefühlte Wahrheit, übe ich mich in Geduld und freue mich darauf mich wieder vollends wohl zu fühlen in meiner Haut... ähm, was ja jetzt “unsere” Haut ist :).
“Wir spielen Vangelis heute Abend bei der Probe in Cultural City, morgen ist ein Auftritt bei dem Obama anwesend sein wird... ich hab euch Karten für die Probe besorgt, habt ihr Lust nach dem Workshop zu kommen?” Noch immer fließen die Bilder und Gespräche der intensiven vergangenen Tage im inneren Strom und spülen Doha an die Oberfläche des Bewusstseins. Das Angebot unserer lieben Münchner Violinistin des Stastsorchesters in Doha und -natürlich- Yogalehrerin, eine unserer “Gastgeberinnen”, die sich während unserer Zeit bei Yama Yoga herzlich um uns kümmert, nehmen wir gerne an. Und so finden wir uns nach einem Wochenende voller Workshops und Thaimassagen in “Cowboy”town Doha im “Amphitheater” in der Cultural City und lauschen dem internationalen Musizieren bei diesem quatarischen Staatsevent. Eine etwa 18 Jahre alte Stadt die sich auf dem internationalen Markt eine Identität und eine Kultur zusammen kauft. Inspirierend, chancenreich und gleichsam skurril.
Doha ist der gefühlte wilde Westen des mittleren Osten - zumindest im Vergleich zu Dubai - in dem nicht alles so glatt gebügelt, abgeschleckt und oberflächlich geordnet ist. Das gesetzliche, nach deutschem Verständnis menschenrechtliche und gesellschaftsrechtliche Ordnungschaos der reichen “Entwicklungsländer” des mittleren Ostens ist in Doha sichtbarer als in Dubai, wenn es auch dort hinter jeder Ecke, in jedem Arbeiterbau schwelt... und noch bevor ich in weltverbessernde Lösungsgedanken verfallen kann säuselt mich der prasselnde Regen in einen langen Verdauungsschlaf nach einem leckeren Mango,Papaya, Ananas, Minibananen Obstsalat Frühstück mit frisch gebackenem Brot und Marmelade...









